Ökotourismus: Wie Sie umweltbewusste Reisende als Gäste gewinnen

articles April, 2018

Ökotourismus: Wie Sie umweltbewusste Reisende als Gäste gewinnen

Es ist paradox: Einerseits war es noch nie so leicht und günstig, zu verreisen – offener Binnengrenzen, Fernbus und Billigflieger sei Dank.
Die Zahl der Touristen ist 2017 weltweit um weitere 7 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Unglaubliche 1,3 Milliarden Reisende bummelten im vergangenen Jahr laut Welttourismusorganisation (UNWTO) durch die Weltgeschichte – Tendenz steigend.
Gleichzeitig leiden die begehrten Destinationen unter den Menschenmassen. Städte wie Barcelona und Venedig erwägen ein Besucherlimit einzuführen, während viele Metropolen gegen Airbnb – und die damit einhergehende Verknappung bezahlbaren Wohnraums – mobil machen. Ecuador hat Anfang 2018 die ohnehin schon strikten Bestimmungen zum Besuch der Galapagosinseln weiter verschärft, um die Tier- und Pflanzenwelt des Archipels zu schützen, andere Naturschutzgebiete ziehen nach.

“Zukünftig wird es nicht mehr darauf ankommen, dass wir überall hinfahren können, sondern ob es sich lohnt, dort noch anzukommen.” (Hermann Löns, 1908)

Das Bewusstsein für einen nachhaltigen Lebensstil hat sich in den letzten Jahren immens gesteigert. Die Achtsamkeit ist im Mainstream angekommen – und mit ihr der umweltbewusste Ökotourismus. Die Veränderungen sind mitnichten nur im naturnahen Nischentourismus spürbar, auch im Luxussegment und bei Städtereisen punkten jene Unterkünfte, die transparent und umweltfreundlich agieren. Schon heute übernachten rund 90 % der Gäste lieber in einem nachhaltig geführten Hotel. Die Bereitschaft, hierfür etwas mehr Geld auszugeben, wächst. Ganze 77 % aller Konsumenten vertrauen Unternehmen, die ethisch korrekte Produkte herstellen oder anbieten.

Der Wandel, weg vom hedonistischen Massentourismus, hin zum nachhaltigen Ökotourismus, ist also nicht nur eine temporäre Modeerscheinung, sondern ein unvermeidlicher Schritt, um auf lange Sicht die Verantwortung gegenüber der Natur, die Bedürfnisse der Gäste und das eigene, wirtschaftliche Interesse in Einklang zu bringen.

Was ist Ökotourismus?

“Ökotourismus ist eine verantwortungsvolle Art des Reisens in naturnahe Gebiete, die zum Schutz der Umwelt und zum Wohlergehen der ansässigen Bevölkerung beiträgt.”

So lautet die Definition von Ökotourismus der The International Ecotourism Society (TIES). Mittlerweile schwirren zahlreiche Interpretationen des Begriffes durch das Netz, ergänzt um einige weitere Varianten wie Sanfter Tourismus, Nachhaltiger Tourismus und Umweltverträglicher Tourismus, die zwar große Schnittmengen bilden, sich in einigen Punkten jedoch auch signifikant vom Ökotourismus unterscheiden.
Die Abgrenzung der einzelnen Modelle mag auf den ersten Blick wenig relevant erscheinen, doch ist es gerade für Hoteliers von großer Bedeutung, die Unterschiede zu kennen. Nur so ist es möglich, sich klar zu positionieren, optimal zu vermarkten, somit die richtige Zielgruppe zu erreichen und langfristig an sich zu binden.

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Ökotourismus

Die Interessen der einheimischen Bevölkerung und ein positives Gästeerlebnis genießen beim Ökotourismus oberste Priorität. Der Eingriff in die Natur, in die Traditionen und das ortsansässige Leben werden so gering wie nur möglich gehalten. Einer der großen Vorteile des Ökotourismus ist es, dass ein Großteil des Umsatzes in die regionale Wirtschaft – und somit in den Erhalt und Ausbau der lokalen Infrastruktur und Umwelt – anstatt in die Taschen internationaler Großkonzerne fließt.

Sanfter Tourismus

Der Begriff Sanfter Tourismus, häufig auch Nachhaltiger Tourismus genannt, wird vom UNWTO wie folgt definiert:
“Nachhaltige Tourismusentwicklung befriedigt die heutigen Bedürfnisse der Touristen und Gastregionen, während sie die Zukunftschancen wahrt und erhöht. Sie soll zu einem Management aller Ressourcen führen, das wirtschaftliche, soziale und ästhetische Erfordernisse erfüllen kann und gleichzeitig kulturelle Integrität, grundlegende, ökologische Prozesse, die biologische Vielfalt und die Lebensgrundlage erhält.”

Sanfter Tourismus befriedigt die Bedürfnisse der Gäste wie die der Gastregion gleichermaßen. Doch reicht hier nicht der gute Wille des Einzelnen allein. Sanfter Tourismus bedarf einer gesetzlichen Regelung und konsequenter, struktureller Umsetzung.

Naturtourismus

Der Begriff Naturtourismus bezieht sich auf die Nische des naturnahen Tourismus und beschreibt Aktivitäten, die in und mit der Natur erlebt werden – von Fischen und Jagen über Naturfotografie bis zu Wandern und Snowboarden. Der ökologische und soziale Aspekt ist hier nebensächlich, wird im besten Falle jedoch mit einbezogen.

Grüner Tourismus

Grüner Tourismus umschreibt alles, was im weitesten Sinne der Natur zugute kommt – vom Komposthaufen bis zur hauseigenen Solaranlage. Dabei spielt es keine Rolle, ob die lokale Wirtschaft und Bevölkerung davon profitiert oder der Umsatz in die Kassen eines internationalen Konzerns wandert.

Zeigen Sie, was Sie zu bieten haben

Sie verarbeiten in Ihrer Küche regionale Produkte, unterstützen den örtlichen Naturschutzverein und Ihr Housekeeping nutzt ausschließlich umweltverträgliche Reinigungsmittel? Sie stellen Ihren Gästen kostenlos Fahrräder für die Dauer ihres Aufenthaltes zur Verfügung? Es gibt einen Hofladen? Lokal gebrautes Craft Beer? Einen Barfußpfad? Wunderbar!
Bescheidenheit ist an dieser Stelle fehl am Platze, denn Ihre guten Taten und umweltbewussten Investitionen dienen in diesem Falle nicht nur der Natur und Ihrem sozialen Umfeld, sondern auch Ihrer Reputation – und somit Ihrem wirtschaftlichen Erfolg.
Durch das gezielte Vermarkten Ihres ökotouristischen Angebotes wird es Ihnen gelingen, noch mehr umweltbewusste Gäste für sich zu gewinnen und Ihren Umsatz zu steigern.

Ökotourismus Zertifikate und Auszeichnungen

Zahlreiche Zertifizierungsprogramme und Ökosiegel, teils global, teils regional, bieten Ihnen die Möglichkeit, die grüne Ausrichtung Ihres Hauses offiziell auszeichnen zu lassen. Von Green Globe und Green Key, über Blue Flag und Viabono bis zum Umweltgütesiegel der Alpenvereine.

Der Vorteil dieser Öko-Zertifikate liegt zum einen an der Glaubwürdigkeit – denn leider ist noch längst nicht überall, wo Grün draufsteht, auch Grün drin. Das Vertrauen Ihrer potentiellen Gäste in die umweltfreundliche Ausrichtung Ihres Hauses wird durch ein zertifiziertes Label gestärkt und steigert Ihre Attraktivität gegenüber “normalen” Mitbewerbern ohne ökotouristischem Konzept. Gleichzeitig profitieren Sie vom Marketing und der Reichweite des jeweiligen Zertifikates – über die Homepage und die Mitgliederverzeichnisse erreichen Sie zukünftige Gäste über einen neuen Vertriebskanal, ohne selbst aktiv werden zu müssen.

Green Travel Transformation

Keine Frage, offizielle Zertifikate bringen einige Vorteile mit sich – wären mittlerweile nicht sogar Branchen-Insider überfordert angesichts gut 180 verschiedener Öko-Siegel und Nachhaltigkeits-Zertifikate den Überblick zu behalten. Wie ergeht es da wohl erst dem Endverbraucher?

Die Leuphana Universität Lüneburg hat gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, Futouris, Travel Bridge, Planet 4 People und Fraunhofer Umsicht im Jahre 2015 ein Pilotprojekt gestartet: Green Travel Transformation.

Die Zielsetzung klingt vielversprechend:
“Ziel des Projektes ist es, den Anteil der eher nachhaltigen Reisen an allen gebuchten Reisen deutlich zu steigern. Hierfür ist es erforderlich, dass diese Reisen sichtbar werden (Kennzeichnung) und buchbar sind (in den Informations- und Buchungssystemen). Durch eine gezielte Beratung der Reisebüromitarbeiter /-innen in Bezug auf die Realisierung nachhaltiger Reisen werden sowohl Verantwortungsbewusstsein, Effizienz als auch ggf. Suffizienz gesteigert. Entsprechend werden zwei Aspekte erreicht: Reisenden werden die Vorzüge wie auch Chancen der Nachhaltigkeit sichtbar und sie haben die Möglichkeit gezielt nachhaltig zu buchen. Entsprechend wird es gelingen, Verantwortung, Effizienz und ggf. Suffizienz zu verbinden:

Der Reisende entscheidet sich bewusster und öfter für nachhaltige Reisen, entsprechend werden solche Reisen gefördert, die weniger Ressourcen verbrauchen sowie in günstigeren ökonomischen und sozialen Kontexten realisiert werden und damit besser den Kriterien der Nachhaltigkeit entsprechen.”
(Quelle: Leuphonia Universität Lüneburg)

Nach drei Jahren ist die Pilotphase der Green Travel Transformation zu Ende April 2018 nun ausgelaufen und das neue Siegel wird von der Branche bereits gut angenommen. Reisebüros und Veranstalter haben nun die Möglichkeit, Hotels, die bereits eines der zahlreichen Zertifikate besitzen, einheitlich mit dem neuen Siegel zu kennzeichnen, ihre Mitarbeiter zu schulen und ihren Kunden gezielt nachhaltige Angebote präsentieren zu können. DER Touristik und Thomas Cook sind schon an Bord, ebenso wie Lufthansa City Center. Weitere Veranstalter werden zur Wintersaison 2018/2019 folgen.

Die Green Travel Transformation birgt viel Potential und ist ein großer, vielversprechender Schritt auf dem Weg zu einer Green Economy. Wichtige Veränderungen in der Tourismusbranche und ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen werden durch das neue Siegel angestoßen und gefördert – nutzen Sie diese Chance auch für sich und Ihr Unternehmen!

Bleiben Sie attraktiv für umweltbewusste Gäste

Zertifikate hin, Siegel her – abgesehen von den offiziellen Labels können Sie selbst noch einiges mehr tun, um umweltbewusste Reisende auf sich aufmerksam zu machen:

    • Recherchieren Sie! Gibt es außergewöhnliche Museen, versteckte Wanderpfade, einen Wildpark oder attraktive Fahrradrouten in Ihrer Umgebung? Versorgen Sie Ihre Gäste mit Informationen über umweltfreundliche Aktivitäten in Ihrer Umgebung und verkaufen Sie Ihnen ein Erlebnis, nicht nur ein Zimmer.
    • Welches Produkt steht symbolisch für Ihre Region – und ist vielleicht sogar nur hier zu bekommen? Vom Bodenseefelchen auf der Speisekarte bis zur Spreewaldgurke oder der hausgemachten Sanddornmarmelade, die Sie Ihren Gästen – natürlich mit dem eigenen Logo auf dem Glas – als süßes Andenken mit nach Hause geben.
    • Welche möglichen Kooperationen bieten sich in Ihrer Region? Tun Sie sich mit anderen Unternehmen zusammen und profitieren Sie von der Zusammenarbeit – ob ein Verbund mit anderen Hoteliers, gemeinsamen Events und Aktionen oder eine Partnerschaft mit örtlichen Landwirten.
    • Lassen Sie Ihre Gäste teilhaben am sozialen und ökologischen Leben Ihrer Region. Organisieren Sie gemeinsame Aktionen, beispielsweise Tier- oder Pflanzenpatenschaften oder Unterstützung bei der jährlichen Krötenwanderung, bei der sich die Gäste einbringen und die Tiere einsammeln und über die Straße tragen können.

Tun Sie Gutes und reden Sie darüber

Nutzen Sie Gästebewertungen, die die Umweltfreundlichkeit, die regionale Einbindung oder das soziale und kulturelle Engagement Ihres Hauses positiv erwähnen, für Ihr eigenes Marketing. Verbreiten Sie die relevanten Auszüge aus den Bewertungen auf Ihren Social Media Kanälen, Ihrer Homepage und via Newsletter. Laut TripAdvisor spielen Bewertungen für 93% der Befragten eine Rolle bei der Entscheidung, welches Hotel sie buchen werden – dies sollten Sie zu Ihrem Vorteil nutzen!

Die Bedeutung von Social Media für die Tourismusbranche nimmt stetig zu. Nutzen Sie diese Plattformen als Marketingkanäle für Ihr grünes Image. Setzen Sie auf atmosphärische und überzeugende Bilder, die Sie – gerne mit einem individuellen Hashtag versehen – auf Facebook und Instagram posten und auf den Bewertungsportalen streuen. Animieren Sie Ihre Gäste, es Ihnen gleich zu tun. Ihre zufriedenen Kunden werden so zu Influencern, die durch ihre positiven und authentischen Bewertungen neue Kunden für Sie akquirieren.

Nicht nur die Bedeutung von Bildern, auch Videos werden immer relevanter. Geben Sie Ihren Mitarbeitern eine Stimme und lassen Sie sie über Ihren Arbeitsalltag erzählen – natürlich immer mit dem ökotouristischen Aspekt im Hinterkopf. Dazu brauchen Sie weder eine professionelle Ausstattung, noch besonderes Know-How: ein Smartphone und der hoteleigene Instagram-Account reichen völlig aus, um zukünftige Gäste mit Hilfe von persönlichen Videos für sich zu gewinnen.

Investieren Sie in die Umwelt und sparen Sie Geld

Es klingt so einfach – und das ist es auch.
Denn Ökotourismus

      • Schont Ressourcen
      • Reduziert Abfälle
      • Stärkt lokale Produktion
      • Erhält regionale Traditionen
      • Reduziert die Verkehrsbelastung
      • Schützt die Natur
      • Fördert die lokale Wirtschaft und sichert Arbeitsplätze
      • Erschließt die neue, wachsende Zielgruppe umweltbewusster Touristen
      • Verbessert das Gästeerlebnis
      • Bietet neue USPs und Marketingmöglichkeiten
      • Spart Ihrem Unternehmen bares Geld und maximiert somit Ihren Profit

Mit intelligentem Ökotourismus wird es Ihnen gelingen, langfristig in Ihre Region, Ihre Umwelt und Ihre Mitmenschen zu investieren – und somit auch in ein erfolgreiches Hotel Revenue Management und steigenden Umsatz für Ihr Haus.

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